Janas Weblog

Mein Jahr in Ungarn

7. Juli 2009

Filed under: 1 — Jana @ 11:42 am

Wieder in Deutschland blicke ich nun auf mein Austauschjahr zurück, doch Abstand gewonnen habe ich noch nicht. Diese zehn Monate waren eine ereignisreiche Zeit, ich habe schneller gelebt, bin selbstständiger geworden. Ungarn durfte ich nicht als Tourist kennen lernen, nein, ich war mitten drin. Das Land ist mir ans Herz gewachsen, ich verbinde meinen Aufenthalt dort mit vielen schönen Erlebnissen. Doch genauso habe ich negative Erfahrungen gemacht, wurde nicht überall mit offenen Armen aufgenommen und habe gelernt, dass fast nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Ungarn ist ein Land mit einer Geschichte, deren Höhen und Tiefen seine Bewohner bis heute nicht losgelassen haben. Die Menschen schauen genauso oft in die Vergangenheit  wie in  die Zukunft. Vielleicht sogar noch etwas häufiger als die Bewohner anderer Länder. Obwohl mitten in Europa gelegen, gibt es Unterschiede, mit denen wohl kaum ein Ungarnreisender rechnet.

Es gab Phasen, in denen ich jeden Zeitungsartikel, jeden Informationsschnipsel gesammelt habe, um ein möglichst vollständiges Bild meines Gastlandes hier in Deutschland präsentieren zu können. Wisst ihr was? Ich bin kläglich gescheitert. Jetzt im Nachhinein verstehe ich, dass viel davon, was ich mitbringen wollte Emotionen waren, die sich nicht ohne Weiteres festhalten lassen: Der erste Schultag, der Fahrradausflug mit Freunden, der letzte Abend in der Gastfamilie.

Austauschschüler zu sein- egal in welchem Land- verlangt einem eine Menge ab. Ich glaube, ich kann zu Recht behaupten, dass es wohl keinen gibt, der von sich sagen könnte, er hätte nur gute Zeiten gehabt. Aber die Erfahrungen die man macht, das Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein, sich nach und nach alles selbst aufzubauen und dabei vielleicht noch eine völlig neue Sprache zu lernen, sich zu integrieren und auf eigenen Beinen zu stehen, kulturellen Besonderheiten auf den Grund zu gehen und Freunde im Gastland und rund um die Welt zu finden, all dies kommt im Austauschjahr zusammen. Ich frage mich, wenn das keine Verlockung ist, was dann?!

 

Abschied 13. Juni 2009

Filed under: 1 — Jana @ 6:21 pm

Am Freitag habe ich den ersten größeren Abschied hinter mich bringen müssen- den in der Schule. Bis zum  25. Juni finden nur noch Abiturprüfungen in der Schule statt, für die, die davon nicht betroffen sind, fangen die Ferien schon jetzt an. Am Nachmittag des 26. Junis kommen nochmal alle zum offiziellen Schuljahresschluss und einem Abschlussgottesdienst zusammen. Leider geht mein Flug schon am Vormittag…

Deshalb also hieß es jetzt schon Abschied nehmen und ich finde, ich habe es gut hinter mich gebracht! Ich habe mich vor die Klasse gestellt und in aller Form verabschiedet. Als ich nicht mehr wusste, was ich noch sagen könnte, hab ich`s kurz gemacht: Ich hab Kuchen mitgebracht! 😀 Das wurde dann unter Gelächter beklatscht und ich beschloß meinen letzten Tag als ungarische Schülerin mit einem guten Gefühl.🙂

Guckt euch meine Schule auf YouTube an! Es handelt sich um einen Wettbewerb, bei dem es darum ging, alle Schüler zum Singen zu animieren. Das sind bei Weitem  nicht alle, aber doch schon ein ganz schöner Haufen! Wir waren sogar bei RTL zu sehen😀 Zwei meiner Gastschwestern sitzen im Orchester und ich habe mich unter die Sänger geschmuggelt. Dazu gibt es auch noch eine Geschichte, aber die folgt hier ein andermal. Oder auch bald mündlich!😉

 

KIDS 24. Mai 2009

Filed under: 1 — Jana @ 11:58 am

Zum KIDS (Katolikus Iskolák Diák Sportszövetsége), dem Landeswettbewerb katholischer Schulen in mehreren Sportarten, steuerte Pécs ein Jungenvolleyballteam, sowie zwei Basketballteams und drei Leichtathletinnen bei. Wir brachen am Freitagmorgen gegen sechs Uhr mit dem Bus nach Budapest auf, Sportausrüstung und Bälle mit im Gepäck. Schon auf der Hinfahrt begann meine Lektion: „Orte, an denen ich von jetzt an ohne Probleme schlafen kann“

Punkt 1: Der Bus

Am Freitag fanden die Basketballspiele der Jungen statt, die wir Mädels mitanschauten, Stimmung für unsere Schule machten und natürlich ununterbrochen Ratschäge über das Spielfeld brüllten😉 Am Nachmittag waren die Jungs vom Volleyball dran, die wir leider nur bei einem ihrer Spiele sehen konnten, da die anderen sich mit unseren überschnitten.

Übernachten konnten wir in einer Partnerschule in Budapest, gar nicht weit vom Geschehen entfernt. Bei der brütenden Hitze allerdings mussten wir unsere Trainer gar nicht lange überreden, als es darum ging, nicht doch lieber die Straßenbahn zu nehmen. Abends dann lernte ich wieder etwas dazu:

Orte, an denen ich von jetzt an ohne Probleme schlafen kann, Punkt 2: Auf dem Boden eines Klassenzimmers irgendwo in Budapest. Meinem Weitblick dann verdankte ich den Umstand, dass ich außer auf meinem Schlafsack wirklich auf nichts anderem schlief. Keine Decke, keine Matte, keine Luftmatratze…

Samstag dann waren wir dran, wobei wir den ganzen Tag von halb neun bis abends um sieben am Spielfeldrand der Basketballhalle der Semmelweis Universität verbrachten. Nachdem wir nachts noch die letzten Spielzüge ganz professionell entworfen hatten😉 lief es auch wirklich gut: Vier Spiele waren es, von denen wir drei gewannen.

Müde, aber stolz bekamen wir am Ende unsere Bronzemedaillen überreicht.

Weil wir zwischen den einzelnen Spielen bis zu zwei Stunden Pause hatten, konnte ich auch den letzten Punkt auf meine Liste setzen.

Punkt 3: Am Rande eines Basketballfeldes in einer belebten Sporthalle mit Sprechchören und erbosten Trainern während eines laufenden Spieles.😎

 

Zwischen Gulaschtopf und Kunstausstellung 20. Mai 2009

Filed under: 1 — Jana @ 12:05 pm

bewegte ich mich an diesem ereignisreichen Wochenende. Denn ob ihr`s glaubt oder nicht- die Zeit läuft aus und es gibt noch viel zu tun. Wenn zwei Ausuaschschüler sich verabreden hört sich das mittlerweile so an: „Ja du, am Samstag in drei Wochen hab ich Zeit. Aber auch nur nachmittags, weil ich noch…“😀

Am Freitagabend kam ich nach der unvermeidlichen Zugfahrt  in Budapest an und durfte mich glücklicherweise zusammen mit noch einer anderen Deutschen wieder in Szentendre bei Lea einquatieren.  Am Samstagvormittag fand dann die YFU-Gulaschparty in einem kleinen Dorf nahe der Hauptstadt statt. So lernten wir auch die zukünftigen Austauschschüler kennen, von denen es erstaunlich viele nach Deutschland zog. Reden, reden, reden und Gulasch essen hieß es da und nach so vielen Monaten in Ungarn weiß ich jetzt eines: Das, was wir in Deutschland Gulasch nennen und bei dem wir  uns freuen, mal was Ungarisches zwischen die Zähne zu bekommen- alles Quatsch. Das ist kein Gulasch. Zumindest kein ungarischer, denn der sieht anders aus!

Am Nachmittag nahm uns Leas Gastmama mit auf dem WAMP-Kunstmarkt nach Budapest, der außer uns noch viele andere künstlerisch ambitionierte Menschen anzog- von denen sich viele, von so viel Kunst ganz müde, später Wasserpfeife rauchend auf einer Wiese niederließen. Aber gut, das war auch ein malerischer Anblick😉

Am Abend wohnten wir der 12. Pecha Kucha Night bei und erfuhren von den Projekten junger Künstler, wobei immer wieder Fragen auftauchten, die niemand so richtig zu beantworten wusste: „Warum hat der tausendmal dieses Haus fotografiert?“ „Das ist ja nicht immer dasselbe Haus, es sieht nur so aus.“ Aha😀 Eine janpanische Designausstellung gab es auch und wir sind uns ganz sicher, einige wirklich revolutionäre Dinge gesehen zu haben: „Das ist Messer, Gabel und Löffel IN EINEM!“ Eine japanische Designerin, die etwas zu den Austellungsstücken erzählte, war auch da. Da sie die meiste Zeit japanisch sprach, verstanden wir leider nicht allzu viel. Aber wir hatten Glück, denn es gab ja eine ungarische Übersetzerin😀 (Ganz ehrlich: Wir haben es genauso gemacht, wie die anderen Ausländer und einfach die englischen Erklärungen gelesen statt uns zu überlegen, was uns jetzt eigentlich lieber ist: japanisch, wobei man kein Wort versteht oder ungarisch, wobei man sich in unserer Situation noch schämen muss, kein Wort zu verstehen).

Am Sonntag sind wir nach Gödöllő rausgefahren und haben das berühmte Schloß dort besichtigt. Ein wirklich wunderschöner Bau, der uns direkt in eine andere Zeit zurückversetzt hat. Außerdem kennen wir jetzt die Lieblingsfarben von Kaiser Franz. Ratet mal- na ja, fast richtig: Maisgelb und Grau😉

in Gödöllő, das Schloss

Zweisitzer Was genau das jetzt ist...

 

Sok minden 9. Mai 2009

Filed under: 1 — Jana @ 3:19 pm

Sok minden- viel alles ist passiert während der PC hartnäckig seinen Dienst verweigerte und auch jetzt noch sehr empfindlich auf jeglichen Versuch, mit ihm zu arbeiten reagiert, sodass ich diesen Artikel jetzt zum zweiten Mal tippe.
Der Hochzeit ging der Junggesellinnenabschied der jetzigen Frau meines Gastbruders voraus. Die Hochzeit war sehr interessant, eben einmal, weil es eine Hochzeit war, das ist schließlich was Besonderes, zum anderen aber, weil sie ungarisch gefeiert wurde und ich Bräuche kennen lernte, von denen ich noch nie zuvor gehört hatte. Außerdem habe ich jetzt definitiv backen gelernt, spätestens nach dem 40. kg Kuchen😉
Letzte Woche wurde in der Schule der Abschlussjahrgang verabschiedet. Alle Schüler waren schon ab halb sieben auf den Beinen um Flure und Portal mit frischen Blumen zu schmücken. Wir schmückten den Klassenraum einer 12. Klasse, außerdem stellten wir eine kleine Vorführung mit Musik und Gedichten für sie auf die Beine; zum Schluss übergaben wir jedem eine Rose. Die offizielle Verabschiedug fand dann auf dem Schulhof statt, auch zu diesem Anlass wurde die Schuluniform getragen. Zur Zeit schreiben sie das Abitur, was an meiner Schule für die restlichen Schüler Ferien bedeutet. Die werden aber nicht einfach verschlafen, nein! Die haben wir gut genutzt, indem wir bis gestern vier Tage lang auf Klassenfahrt waren und den Osten Ungarns erkundet haben. Wir kamen im Kollegium einer katholischen Schule in Nyíregyháza unter und erkundeten nach unserer Ankunft die Stadt, deren größte Kirche uns an ein buntbemaltes Kinderzimmer erinnerte. Am folgenden Tag machten wir eine Busrundreise durch die umliegenden Dörfer, besuchten eine griechisch-katholische Messe (ich sag euch, das war ein Erlebnis😉 ), sahen uns die älteste Bibel in ungarischer Sprache an, wichen einem Stier aus, der frohen Mutes die Dorfstraße entlangtrottete und landeten schließlich und überraschenderweise in einem Weinkeller in Tokaj😉
Am Montag fuhren wir nach Debrecen, die zweitgrößte Stadt Ungarns, bestiegen einen Turm und erprobten in einem Freizeitbad sämtliche Rutschen. Am darauffolgenden Morgen besuchten wir noch den Nyíregyházer Zoo, bevor wir uns dann an die siebenstündige Rückreise nach Pécs machten.

 

Schaltzentrale der ungarischen Macht 29. März 2009

Filed under: 1 — Jana @ 7:57 am

Am vergangenen Freitagmorgen fanden wir YFU-Austauschschüler uns in aller Frühe zu einer Führung durch das ungarische Parlament zusammen. Damit wir auch wirklich alles verstanden, gab`s das Ganze sogar auf englisch. Die Führung selbst dauerte nur eine halbe Stunde- in einem Gebäude mit 691 Räumen und Sälen. Was hat die ungarische Regierung da zu verbergen? Vermutlich wollte sie uns keinen Einblick in ihre Massageräume (das hab ich mir nicht ausgedacht!) gewähren. Gut, auch wenn wir die Geheimnisse Ungarns in dieser halben Stunde nicht lüften konnten, so wurden wir trotzdem von der Pracht dieses Gebäudes förmlich erschlagen. Nach Rumänien und Argentinien besitzt Ungarn das drittgrößte Parlament der Welt und mit Wandschmuck aus Gold und tonnenschweren Kronleuchtern wurde nicht gespart. Einmal das Gefühl genießen über den dicken roten Teppich zu schreiten und das, obwohl wir als Besucher nur durch einen Nebeneingang hereinkamen. Immerhin wünschte die Parlamentsführerin uns, dass wir beim nächsten Besuch würdig durch das Hauptportal für Könige, Staatschefs und sonstige Prominenz eingelassen würden. Na dann mal an die Arbeit!

eingangsbereich Kronjuwelen aus dem Jahr 1000 n.Chr. miniatur

 

in Szentendre 25. März 2009

Filed under: 1 — Jana @ 12:54 pm

Am letzten Wochenende habe ich Lea in ihrer ungarischen Heimatstadt Szentendre (Sankt Andreas) etwa 20km von Budapest entfernt, besucht. Die Künstlerstadt Szentendre mit all den kleinen Gässchen und Cafés, dem holprigen Kopfsteinpflaster und den vielen Galerien fand ich ungeheuer charmant. Die Strassen um den Hauptplatz herum wimmelten nur so von Touristenläden, die wir auch schon vor Saisonbeginn alle geöffnet vorfanden. Im Sonnenschein mit einem Eis in der Hand am Donauufer entlangschlendern, ohne die U-Bahn unter den Füssen zu spüren oder sich  voneiner grossen Menschenmasse treiben zu lassen- Szentendre ist schön.

Hauptplatz Szentendre mit Pestsäule charismatisches Café in Szentendre typische Strasse

Wir fuhren auch nach Budapest hinein und widmeten uns einigen Sehenswürdigkeiten, denn ohne etwas Kultur zu tanken wäre das Austauschschülerleben schliesslich nur halb so schön! Ich habe schon morgens kurz nach meiner Ankunft das „Haus des Terrors“, in dem die ungarische Geschichte während des zweiten WKs und der kommunistischen Diktatur dargestellt wurde, besucht.

Zusammen mit einer anderen Austauschschülerin haben wir uns dann die Große Synagoge in der Dohány Straße angeschaut und das angeschlossenene jüdische Museum besucht. Die Synagoge gilt als die größte Europas und  zweitgrößte der Welt.

Synagoge holocaust-denkmal-auf-jedem-blatt-der-name-eines-opfers

 

 
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